Mut wird belohnt: Engbers triumphiert im Großen Preis der LVM Versicherung

Mut wird belohnt: Engbers triumphiert im Großen Preis der LVM Versicherung

(Hagen a.T.W.) Das Flaggschiff-Springen von „20 Years Horses & Dreams“ bot zum Abschluss noch einmal alles, was großen Sport ausmacht: Spannung, Tempo und ein Stechen auf höchstem Niveau. 50 Starterpaare traten im Großen Preis der LVM Versicherung, einer CSI3*-Springprüfung mit Stechen über 1,55 Meter, an. Den Sieg sicherte sich Stefan Engbers mit Baju NRW in 41,41 Sekunden. Die Europameister von 2021, André Thieme und DSP Chakaria, verfehlten die Bestzeit nur hauchdünn und wurden in 41,75 Sekunden Zweite. Rang drei ging an den Neuseeländer Luke Dee und Gangster WW in 42,21 Sekunden.

Als viertletzter Starter und mit einem klaren Plan ritt Engbers auf seinem 1,84 Meter großen Schimmel in den Stechparcours. „Viele Optionen gab es nicht“, sagte er später. „Meine Frau hat ein bisschen mitgeschaut, und bei den sechs Galoppsprüngen auf den vorletzten Sprung wusste ich, dass das für meinen Schimmel gut funktioniert. Der Rest lief dann fast von alleine.“

Oft war Baju NRW nachgesagt worden, eher nicht zu den schnellsten Pferden zu gehören. In Hagen widerlegte der Wallach von Balou du Rouet dieses Image eindrucksvoll. „Dieser Parcours war für uns gemacht, mit den langen Wegen. Man muss sich als Reiter auch mal etwas trauen und heute hat das perfekt geklappt.“ Entsprechend groß war die Freude über den ersten Sieg im Großen Preis von Hagen a.T.W., nachdem das Paar 2023 bereits Vierter gewesen war. „Dass wir hier beim Jubiläum den Großen Preis gewinnen, macht mich unglaublich stolz.“

Für Engbers hat dieser Erfolg mindestens denselben Stellenwert wie sein Nationenpreis-Sieg beim CSIO Hickstead 2025. „Es gibt Turniere, bei denen man merkt, dass sich die Pferde einfach wohlfühlen. Das ist hier in Hagen definitiv so.“

DSP Chakaria auf WM-Kurs

Auch André Thieme zeigte sich trotz knapp verpasstem Sieg hochzufrieden. Eigentlich hatte der Mecklenburger einen Start in Hamburg geplant, entschied sich dann aber bewusst für Hagen. „Wir haben uns ein Turnier ausgesucht, bei dem die Bedingungen vom Feinsten sind und Hagen passte zeitlich perfekt. Ich war hier schon oft und weiß, wie gut es hier ist. Und es gibt schlimmere Orte, um seinen Geburtstag zu verbringen“, sagte Thieme augenzwinkernd.

Mit Blick auf die Weltmeisterschaften in Aachen ist das Ziel für den Nationenpreis- und Aachen-Sieger klar. „Natürlich wusste ich, dass Bundestrainer Otto Becker zuschaut. Und jede Runde zählt jetzt, wenn man noch höhere Ziele in diesem Jahr erreichen will.“ Ein Galoppsprung mehr als Engbers auf dem Weg zum vorletzten Sprung kostete letztlich die entscheidenden Hundertstel. „Aber ich bin sehr glücklich, wie Chakaria hier gesprungen ist und wie sie abgeliefert hat.“

Für Luke Dee und den zehnjährigen Gangster WW war Platz drei ebenfalls ein Ausrufezeichen. Als erste Starter im Stechen legten sie eine Zeit vor, die lange Bestand hatte. „Ich wollte genug Druck auf die Nachfolgenden machen“, erklärte der Neuseeländer. „Am Ende gab es mehr Nullrunden als erwartet, also musste ich alles riskieren.“ Einen zusätzlichen Galoppsprung auf den grünen Oxer hatte er ursprünglich nicht geplant, dennoch zeigte sich Dee hochzufrieden: „Mein Pferd war phänomenal und es war eine absolute Freude, hier zu reiten.“

Den Grand Slam-Sohn hat er sechsjährig erworben. „Er ist für uns wie ein Familienmitglied geworden. Wir haben eine sehr enge Verbindung.“ Seit dem Weltcup-Finale in Basel 2025 ist der Neuseeländer überwiegend in Europa stationiert, trainiert unter anderem bei Laura Kraut, Nick Skelton und Emile Hendrix, der ihn auch in Hagen betreute. Der ganz große Grand-Prix-Sieg fehlt dem Paar zwar noch, doch der dritte Platz in Hagen dürfte Selbstvertrauen geben.

Auch Heinz Gressel, Vorstandsmitglied der LVM Versicherung, zog als langjähriger Partner ein positives Fazit: „Ich glaube, es bleiben keine Wünsche offen. Das war tolles Wochenende, toller Sport – und alle fahren gesund nach Hause. Wir wollen uns als Qualitätsversicherer zeigen, und hier treffen wir auf Qualitätsanbieter. Wir fühlen uns hier sehr gut aufgehoben.“

Haken dran im April: Wandres gewinnt Louisdor-Finalqualifikation und fährt nach Frankfurt

In der Qualifikation am Freitag hatte noch der jüngere Stallkollege Veuve Clicquot FRH die Nase vorn gehabt. In der Finalqualifikation zum Louisdor-Preis blieb „Ville“ aufgrund seines jugendlichen Alters bewusst im Stall und Imo Pectore nutzte seine Chance eindrucksvoll. Mit 71,809 Prozent gewann Frederic Wandres auf dem Fuchswallach von Asgard’s Ibiza die Prüfung und sicherte sich damit direkt das Ticket für das Finale in der Frankfurter Festhalle. Rang zwei und damit das zweite Finalticket ging mit 71,149 Prozent an Dr. Annabel Frenzen und den Sezuan-Nachkommen Szechuan.

Erst Ende vergangenen Jahres hatte Wandres den talentierten Wallach von seiner Chefin Bianca Kasselmann übernommen. Sie habe ihm damals gesagt, er solle dem Pferd unbedingt eine Chance geben und schnell sei klar gewesen, wie viel Potenzial in Imo Pectore steckt. Über den Winter habe der Neunjährige die Grand Prix-Lektionen erstaunlich schnell gelernt und die Anforderungen heute bereits bemerkenswert sicher umgesetzt.

„Ich hätte mit allem gerechnet an diesem Wochenende, aber nicht damit, dass Imo hier in Hagen den Louisdor gewinnt“, sagte Wandres nach dem Sieg. „Hagen ist seit Jahren ein anspruchsvoller Saisonauftakt mit enorm viel Konkurrenz. Dass er hier gleich so eine Visitenkarte abgibt, darauf sind wir wirklich stolz.“

Besonders bemerkenswert: Es war der erste Start in dieser Aufgabe ohne Gerte, wie es später auch im Finale gefordert ist. „Das ist eine sehr anspruchsvolle Prüfung. Er hat heute unglaublich viel Talent gezeigt, besonders in den Passagen, und sein starker Schritt ist sowieso immer eine sichere Bank. Er ist richtig über sich hinausgewachsen.“

Mit der frühen Qualifikation für Frankfurt fällt für Wandres und sein Team nun spürbar Druck ab. „Natürlich freuen wir uns sehr, jetzt schon einen Haken hinter diese Aufgabe setzen zu können. Das Ticket für die Festhalle bereits im April zu lösen, bedeutet, dass wir den Sommer nutzen können, um das Pferd in Ruhe weiter auszubilden – vielleicht mit einem kleinen Augenzwinkern Richtung Grand Prix.“

Fazit des Veranstalters

Rund 54.000 Besucher erlebten an fünf Tagen Spitzensport, Nachwuchsförderung, Show und Ausstellung auf dem Hof Kasselmann. Entsprechend zufrieden zeigte sich auch Veranstalter Ulli Kasselmann: „Ich glaube, wir haben vieles richtig gemacht, wenn Erfolgsreiter wie diese gerne zu uns kommen. Die Menschen haben großartigen Sport gesehen und ein besonderes Ambiente erlebt.“

Save the Date: Horses & Dreams, 21. – 25. April 2027

 

TICKETS auf https://horses-and-dreams.reservix.de/

Foto: Sichert sich mit dem Sieg in der Finalqualifikation zum NÜRNBERGER BURG-POKAL – Prix St.Georg Special das Ticket fürs Finale in Frankfurt: Patrik Kittel (SWE) und J’Adore Dior H © Pferdefotografie Stefan Lafrentz